Gespeichert unter: Sport | Schlagworte: Dortmund, Kugelstoßen, Senioren, Vizemeister, Westfalenmeisterschaften, Wettkampf
Nachdem ich ja nach der Knieamputation so gut wie gar nicht trainiert und auch eigentlich seit Monaten keine Kugel mehr in der Hand hatte, bin ich mit dem Ergebnis der Senioren-Westfalenmeisterschaften dann doch ganz zufrieden. Aber dazu später.
Aus den meisten Sportlern unerfindlichen Gründen finden die Senioren-Westfalenmeisterschaften seit zwei oder drei Jahren an zwei Tagen statt. Das bewirkt dann, dass das Stadion an beiden Tagen halbleer ist und Vereine, die an beiden Tagen Sportler im Einsatz haben, doppelte Fahrtkosten blechen müssen. Anstatt dass also alle fünf Sportler meines Vereins an einem Tag ihre Wettkämpfe bestreiten konnten, mussten gestern drei anreisen und heute noch mal zwei. Die, die am Samstag dran waren, haben die Wettkämpfe ihrer Vereinskameraden von Sonntag nicht gesehen und umgekehrt. So auch in diesem Jahr in Dortmund im Stadion Rote Erde. Super Sache, liebe Veranstalter.
Ich war aber auch am Samstag schon dabei, allerdings nur zum Zugucken:
(Im Ring steht gerade meine Mutter, ihres Zeichens zweifache Westfalenmeisterin (Kugelstoßen und Diskuswerfen).)
Ungewohnt allerdings, so nahe am Tempel zu sein und nicht reinzukönnen:
Anhand der Geräuschkulisse aber konnte ich auch so hören, dass das Spiel der BVB-Amateure gegen Leverkusen II 2:0 ausgegangen ist und Lars Ricken Torschütze war. Zudem kam es zu einem amüsanten Dialog zwischen einem Seniorenathleten und mir abseits des Diskusrings:
Ich (fragend zu meinen Eltern): Ist so ruhig im Stadion, ist da grad Halbzeit?
Athlet neben mir: Die Schwatz-Gelben sollen grad mal über ihre Intelligenz nachdenken, und da die nix im Kopp haben, ist es da so still.
Ich (grinsend): Vorsichtig, ich bin auch BVB-Fan.
Athlet (humorbefreit): Pffffffffft. Das ist mir grad egal. (Abgang)
Ich schaue dem Herrn etwas ratlos hinterher und lese die Trikot-Aufschrift: „SuS Schalke 96″. Ups. :-D
Am heutigen Sonntag war dann aber Schluss mit Faulenzen. Direkt nach dem Aufstehen, beim Frühstück, bei der Hinfahrt und noch beim Einstoßen nur ein Gedanke im Kopf: „Was will ich hier eigentlich?“ Schließlich hatte ich ja kaum trainiert. Aber egal. Meine beste Platzierung bei Westfalenmeisterschaften war bislang der fünfte Rang (von fünf Teilnehmerinnen), und da insgesamt nur vier Teilnehmerinnen in meiner Klasse gemeldet waren, konnte ich immerhin Vierte werden. Man muss ja anschließend niemandem erzählen, wie viele da waren. ;-)
Der Wettkampf war eher mäßig. Vorgenommen hatte ich mir bescheidene 9,50m – wie ich es geschafft hab, gleich im ersten Versuch 9,61m rauszuknallen, weiß ich immer noch nicht. Vermutlich durch eine so pfeilschnelle Bewegung im Ring, dass es unmöglich war, davon ein scharfes Foto zu machen:
;-)
Um es kurz zu machen: Der Titel in meiner Klasse (W30) ging mit 11,31m weg – 9,61m (danach hätte ich auch duschen gehen können, weil absolut nichts mehr kam) reichten zum zweiten Rang. Herzlichen Dank an den besten Freund, der auf meine bescheidene Aufforderung, mich in Zukunft als „Ehrwürdige Vize-Westfalenmeisterin“ zu titulieren, zunächst nichts besseres zu antworten wusste als „Wie viele haben denn teilgenommen?“ (Antwort: doch nur drei inklusive mir. *hust*)
So richtig freuen kann ich mich aber eigentlich erst jetzt, nach dem dritten Bier.
Zehn Meter waren einfach nicht drin (vielleicht zum Ende der Saison, aber nur, wenn ich in Hamburg auch endlich mal den Arsch hochkriege und regelmäßig trainiere), und selbst wenn ich die Marke heute geknackt hätte, wäre ich Zweite geworden. Also alles fein. Ich darf nur nicht drüber nachdenken, wo die Kugel gelandet wäre, hätte ich die vergangenen Monate vernünftig trainiert. Dann werd ich depressiv.
Ansonsten herzlichen Dank an meine Mutter, die nur dicke Bilder von mir machen kann:
(Problemzonen unkenntlich gemacht) und natürlich auch an meinen Vater (hier links), den besten Trainer der Welt, der aus Scheiße noch Pralinen 9,61m machen kann.
16 Kommentare bis jetzt
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“Ehrwürdige Vize Westfalenmeisterin”
Kommentar von westernworld 3. Juni 2007 @ 9:29das wirst du nie mehr los und immer mit ganz tiefer verbeugung.
gabs den ‘nen pott dafür?
Herzlichen Glückwunsch. Auch ich verneige mich 9,61m. Und dann noch mit Knieamputation. Daumen hoch!
Kommentar von wieze 3. Juni 2007 @ 9:59Die schwarzen Balken… *prust-verschluck*
Kommentar von ultimonativ 3. Juni 2007 @ 10:00Dafür dass Du nicht trainiert hast … was hatte denn die Siegerin für eine Verletzung, die dazu geführt hat so weit zu stoßen *grübel*
Jedenfalls: EINEN GANZ DICKEN GLÜCKWUNSCH aus Kiel!
Kommentar von Christoph 3. Juni 2007 @ 10:03Na immerhin, nach diesen herben gesundheitlichen Rückschlägen in der Vorbereitungsphase, noch Ehrwürdige Vize-Westfalenmeisterin zu werden – da bringe ich doch meine ehrerbietigsten Glückwünsche dar.
Und überhaupt, wenn die Siegerin mal nicht gedopt war … ;-)
Kommentar von Bhuti 3. Juni 2007 @ 10:18@Westernworld: Hihi, danke danke. Der “Titel” gilt aber nur für ein Jahr. Nächstes Jahr gibt’s ne neue Meisterschaft, und da ist die Klasse wieder stärker. Und bei Senioren gibts selten nen Pott. Da gibts ja kaum Geld im Verband …
Kommentar von Kirsten 4. Juni 2007 @ 7:45@Wieze: Danke!
@Ultimontativ: Wenn ich mir das Foto noch länger anschaue, mach ich, glaub ich, über die Frisur auch noch einen Balken.
@Christoph: Ich habe nicht nicht trainiert – ichhab so gut wie nicht traniert. Ein feiner Unterschied. ;-) Und die Siegerin war mal im Westfalen-Kader – die stößt in einer ganz anderen Liga als ich. DANKE! (Habt Ihr schön gefeiert am Samstag?)
@Bhuti: Ach, das Knie meldet sich eigentlich kaum noch, seit ich weiß, dass die Schmerzen keine allzu schlimme Ursache haben. Dir auch ein herzliches Dankeschön! – Und: Die Siegerin ist von Beruf Köchin – keine Ahnung, an was für Drogen die so kommt. ;-)
Großartiger Bericht. Ich sehe keine Problemzonen und 2. finde ich super. Egal wieviel, schlimm wäre doch nur der 2. Platz bei nur einer Teilnehmerin! ;-)
Kommentar von creezy 4. Juni 2007 @ 11:28Jut jemacht – jetzt mal ordentlich trainiert, die Protese sitzt ja, und im nächsten Jahr alle vom Hocker gehoben!
@Creezy: Danke!
Kommentar von Kirsten 4. Juni 2007 @ 9:19Die Problemzonen sind ja auch kaschiert und kommen außerdem nur von der Hose. Leggings sind bei Problemwaden verboten, wie mich das Fernsehen lehrte. ;-)
Und ich hoffe, dass ich diesen Jahr noch alle plattmache. :-)
Glückwunsch auch von mir, ehrwürdige Vize-Westfalenmeisterin!
Kommentar von Narana 5. Juni 2007 @ 9:20Das hat doch gut geklappt.
Da frag mal Dani ;)
Kommentar von Christoph Krenz 5. Juni 2007 @ 9:28Herzlichen Glückwunsch! 9,61m – das schaffe ich vielleicht mit dem Fußball. Und andere wären froh, wenn sie Vizemeister wären (na ja, nicht alle ;-) ).
Etwas off topic, aber sehr schön finde ich auch deine neuen Suchanfragen, besonders „Philipp Degen hat einen Hammer in der HO“ :-D
Kommentar von Nick 6. Juni 2007 @ 12:08@Nick: Das bedeutet doch nur, dass Herr Degen gut heimwerken kann, oder? ;-)
Kommentar von Kirsten 6. Juni 2007 @ 11:46Genau. Vor allem nageln. ;-)
Kommentar von Nick 7. Juni 2007 @ 1:32Ich wußte gar nicht, dass die Waden auch zu den Problemzonen gehören können – wieder was gelernt…
Kommentar von rob 19. Juni 2007 @ 10:15@Rob: Ich war auch einigermaßen geschockt ob dieser Eröffnung. Was hab ich da nur für eine Gelegenheit zum Komplex-Entwickeln verpasst…
Kommentar von Kirsten 19. Juni 2007 @ 10:26[...] “Titel” der Vizewestfalenmeisterin wäre dann weg, aber ich bin trotzdem zufrieden mit den diesjährigen Westfalenmeisterschaften, [...]
Pingback von Neun Zentimeter bis Treppchen « Kirstens Weblog 24. Mai 2008 @ 8:54