
Dortmund – Gladbach: Geschliffene Dialoge
18. Februar 2007Der gestrige Spieltag lässt sich am besten mit Wiedergabe der zahlreichen durchgeschissenen Dialoge, deren Urheber oder Ohrenzeugen wir gestern waren, beschreiben. Und ich sage nie wieder was gegen Zugfahren. Zumindest, was das Entertainment angeht, ist diese Reisemöglichkeit an Spieltagen nicht zu toppen. Schon auf dem Bahnhof in Lippstadt ließ mir ein etwas abgerissener Mitbürger ein charmantes “Üäh, nochn Dortmunder” zuteil werden, was ich mit einem ebenso herzlichen: “Kann ich auch nichts für!”quittierte. Von da an wusste ich, es würde ein guter Tag werden.
Wir setzen unsere kleine durchgeschissene Reise im Zug von Soest nach Dortmund fort. Protagonisten: der beste Freund, seines Zeichen glühender Anhänger der einzig wahren Borussia (Mönchengladbach) und ich, meines Zeichen glühende Anhängerin der einzig wahren Borussia (Dortmund), sowie mit jeder Station zahlreicher und betrunkener werdende schwarz-gelbe Menschen. In Unna stolzierte vor dem Zugfenster ein Mädel in einem Outfit vorbei, das mich, wäre ich schon betrunken genug gewesen, gleich zu dem Ruf: “Ey! Wieviel?!” veranlasst hätte.
BVB-Fan 1: “Is aba schon lecka sowat, oda?”
Bester Freund: “Och jo…”
Ich: “Naja, manche haben es ja gern ein bisschen nuttig.”
Bester Freund: “Aber gegessen wird zu Hause, oder?”
BVB-Fan 2: “Da wo es am besten schmeckt, würd ich ich sagen.”
BVB-Fan 1: “Also bei Mutti.”
Alle: Betretenes bis angewidertes Schweigen.
*
Am Reitstall in der Nähe des Stadions. Vor Spielen gegen Gladbach ist das Tradition. Mit dabei nun auch ehemalige Kollegen des besten Freundes, die meisten davon Gladbacher. Frage an mich, wie ich denke, dass es ausgeht. Und ich gestehe hiermit, dass ich sagte: “2:1 für euch.” Ungläubiges Gelächter. Ich weiß, das gehört sich nicht, aber nach dem Spiel gegen Stuttgart konnte ich mir echt nicht vorstellen, dass das gut gehen würde.
*
Keine Probleme, in Block 15 zu kommen. Ich bin schon mal vorgegangen, der beste Freund kam mit Bier hinterher.
Ich: “Wasn das? Gab’s denn nur diese scheiß Christian-Wörns-Becher?”
Bester Freund: “Das kommt, weil ich zwei Bier bestellt hab und nicht “zwei Bier, davon bitte eins im Christoph-Metzelder-Becher”, damit Du Dir den in die Vitrine stellen und sagen kannst, den hab der Metze bei Dir vergessen, wie das wahrscheinlich 1000 andere Tussis schon gemacht haben.”
Ich: “Du weißt genau, dass ich das nicht nötig hab. Schließlich hat der Christoph bei seinem letzten Besuch bei mir schon eine Autogrammkarte liegen lassen.”
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Während des Spiels:
Ich: “Ach guck mal, da spielt ja inzwischen auch euer Degen. Vielleicht bringt der mir diesmal endlich ein paar Punkte in der Kicker-Liga.”
Bester Freund: “WAAAS? Den hast du gekauft? Warum machst du denn sowas? Das nächste Mal legste mir die Mannschaft am besten erst mal vor…”
(Wie wir nach dem Spiel hörten, spielte sich ein ähnlicher Dialog wohl etwa gleichzeitig in der VIP-Loge ab, wo ein Bekannter zwei Reihen hinter Peter Pander saß, nach einem “Fantasiepass” von David Degen brüllte: “Wer kauft denn so einen ein?!” und dafür irritierte Blicke kassierte.)
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Zweite Halbzeit, Dialog hinter uns:
Fan 1: “Wer steht denn da grad beim Schiri? Ist das der Degen?”
Fan 2: “Ja, der andere aber.”
Fan 1: “Ist aber auch scheißegal, die sind beide doof.”
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Das für nach dem Spiel geplante 12-köpfige Besäufnis fällt dann etwas schmaler aus. Die Gladbach-Anhänger standen imVerkehrschaos rund ums Stadion und hatten wohl eh keine große Lust mehr, sodass wir nur noch zu viert waren. War aber auch ganz lustig. Allerdings konnte ich mich auch nicht mehr so richtig über den Sieg freuen. Dafür ist man ja doch zu sehr Fan, als dass man nicht wüsste, wie es sich anfühlen muss, Tabellenletzter zu sein. Und deswegen jubel ich hier jetzt auch ausnahmsweise mal nicht groß rum.
In der U-Bahn anschließend hatten wir die Wahl zwischen einem Platz voller Kotze und einem Platz mitten in einer Schlägerei. Wir wählten letzteres. Die Prügelei war recht schnell zu Ende, der Kotzgeruch hängt sicher immer noch da rum.
*
Spätabends Aufenthalt in Hamm auf dem nur mäßig schönen Bahnhof.
Ich: “Ich müsste noch mal aufs Klo, aber ich mag diese Bahnhofsklos nicht …”
Bester Freund: “Ach, komm, die haben doch hier schön renoviert, das ist schon ganz okay.”
Ich: “Mh, echt?”
Bester Freund: “Aber klar doch. Komm, wir gehen pinkeln, ich lad dich ein.”
Und während ich noch auf dem Damenklo die freundlich formulierten Anweisungen zum Händewaschen fotografiere, erreicht mich eine MMS vom Herrenklo mit dem Pendant dazu. Allerdings lautete der Text da etwas anders: “… ganz dicht unter das Rohr halten bis berühren.” Den zotigen Zusatz, der mit der MMS mitgeliefert wurde, lass mich mal lieber weg.

*
Bahnhofskiosk Hamm. Noch rasch Fahrbier geholt und der freundlichen Bedienung beigebracht, dass “zwei PaPis” zwei Paderborner Pilsener sind.

Im Zug waren dann noch mehr Betrunkene mit ungeheurem Redebedürfnis – sodass mich der beste Freund schon bat, doch bitte weiter bis nach Paderborn mitzufahren und ihn nicht allein im Zug zu lassen. Bin aber dann trotzdem in Lippstadt aus der Bahn gefallen und direkt ins elterliche Auto. Und von da aus gleich ins Bett.
Und nu brauch ich drei Tage, um mich von allem zu erholen.



*g* Sehr schön! Aber wie konntest Du Dir bei all dem Bier die ganzen Dialoge merken, hm?
Ich gestehe: ich hab bei Fahrten zum Spiel meist nen kleinen Block mit, für all die Absurditäten, die einem da begegnen :-)
Hey, großes Kino, dieser Spieltag bei dir *lol*
Wie wird das dann erst gegen Gelsenkriechen?
Zum Glück lag ich mit meinem Tipp besser als du!
@Pleitegeiger: Ich glaub, das macht die Übung im Job. Und wir haben auch im Zug ein paar Sachen noch mal Revue passieren, Verzeihung, Paroli laufen lassen. :-)
Und was den Alk angeht: Ich war im Training…
@Nick: Ich hab diese Woche mal wieder sämtliche Tippspiele vergessen, muss ich gestehen. Aber ich hätte dabei auch nie gegen meine Jungs getippt, das mach ich einfach nicht. Was ich dann denke, ist was anderes… ;-)
Hehe, klingt besser als das Spiel.
Seit ich nicht mehr tippe, gewinnen meine Jungs. Naja, das Opfer bring ich dann gerne :-)
Und… ich mach mir trotz des Jobs (und der Allohol-Übung *hust*) lieber Notizen. Sicher ist sicher :-)
Du wirst mir immer suspekter, trinkst Du wirklich freiwillig dieses – äh – Bier?
Ansonsten natürlich wunderschöne Dialoge.
“BVB-Fan 1: “Also bei Mutti.”
:-D
@Pleite: Naja, ich hatte nichts zu schreiben dabei, es musste also so gehen. Ich will aber nicht abstreiten, dass ich vielleicht ein oder zwei schöne Dialoge auch vergessen hab…
@Markus: Ja, nun, wenn es einem ausgegeben wird…
@Mark: Diese Äußerung hat bei mir Bilder im Kopf entstehen lassen, die ich nie wieder los werde… ;-)