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Schuldfrage

22. November 2006

„”ich bin weg” amoklauf“, „das ganze Leben habt ihr mich verarscht“, „ich bin weg… verarscht“, „nun müßt ihr dafür bezahlen ich bin weg“, „seit ich 6 bin habt ihr mich verarscht“ – solche Suchanfragen bekomme ich seit dem Amoklauf von Emsdetten zuhauf. Warum es dazu kommen konnte, will wohl jeder gerade wissen.

Und oh Wunder – der Schuldige ist mal wieder schnell gefunden. Die bösen Computerspiele sind schuld, wer sonst. Wenn es die nicht gäbe, wäre die Welt viel schöner. Als ob die Rechnung so einfach wäre: Wenn es Ego-Shooter nicht gäbe, gäbe es keine Perspektivlosigkeit mehr unter den Jugendlichen, keine Zukunftsängste, keine falschen Freunde und überhaupt keine Gewalt mehr unter den Menschen.

Aber so funktioniert die Gleichung eben nicht. Nicht jeder, der aggressive Computerspiele spielt, geht nachher durch die Stadt und ballert wahllos um sich. Und nicht jeder, der austickt, hat vorher Counter Strike gespielt. Da muss soviel mehr zusammenkommen, um einen Menschen soweit zu treiben. Das soll keinerlei Rechtfertigung für die Tat in Emsdetten sein – nur ein Hinweis darauf, dass die Schuldfrage weitaus komplexer ist, als viele sich eingestehen wollen.

Aber indem man die Schuldfrage so einfach klärt, muss man sich keine Gedanken über andere Schuldige machen. So einfach ist das.

7 Kommentare

  1. Die tatsächliche Ursache für eine solche Tat interessiert doch unsere Politiker nicht! Fast schon reflexartig haben unsere Politiker den Schuldigen gefunden – die Ego-Shooter! Die Verbotsforderung ist medienwirksam und darauf kommt es den Politikern an. Man will sich nicht mit den Ursachen für solche Taten auseinander setzen, denn dann müssten die Politiker zugeben, das Mobbing von einzelnen Schülern zum Alltag an deutschen Schulen gehört und dass die verantwortlichen Lehrer lieber wegschauen bzw. die Probleme aus Bequemlichkeit ignorieren – es ist soviel einfacher Computerspiele verantwortlich zu machen. Und in einer Woche ist das ganze Thema vergessen, bis der nächste Schüler aus einer Sackgasse keinen Ausweg mehr findet und zur Waffe greift.


  2. Wie wahr. Letztendlich tut so etwas nur jemand, der für sich keine eigene Zukunft sieht – und dazu braucht wohl heutzutage kein Jugendlicher zwangsläufig ein Computespiel, um sich seine nichtexistierende Zukunft einzugestehen.


  3. Eben. Und offenbar ging das schon ganz schön lange so – und niemand hat die Gefahren erkannt. Ach, stimmt ja, diese psychisch labilen Menschen sind ja auch so lästig. Das soll die tat wie gesagt nicht rechtfertigen, aber an sowas ist nie einer alleine Schuld.


  4. Vor allem wird dabei die ganze Zeit Ursache und Wirkung verwechselt. Es sieht doch wohl eher so aus, daß ohnehin bereits vereinsamte Menschen sich in ihre Rechnerwelt zurückziehen und nicht, daß ein Spiel wie Counterstrike die Leute in die Isolation treibt.

    Im Gegenteil: Ich weiß von vielen Menschen, gerade Jugendlichen, daß die sich überhaupt erst über ihre Spiele-Community kennengelernt haben.

    Insbesondere Counterstrike ist ein denkbar schlechtes Beispiel für ein sog. “Killerspiel”, weil man dort gerade NICHT als einsamer Wolf alles niederballern muß. Es ist ein Teamspiel, bei dem diejenigen gewinnen, die kooperativ handeln.

    Aber wenn Stoiber von Jugendlichen und ihren Mediengewohnheiten spricht, erinnert mich das ohnehin immer an den Papst, der den Leuten ihr Sexualverhalten vorschreiben will.


  5. Es ist nunmal einfach ein Medium zu verdammen, das von den meisten Deutschen nicht verstanden wird und da in Aktionismus zu verfallen. Früher haben die Kinder Räuber und Polizist auf der Strasse gespielt und sind “Peng Peng” rufend hintereinander hergelaufen. Heute machen sie das am PC. Ich spiele seit Jahren solche Spiele und habe bisher noch nicht den Drang verspürt Amok zu laufen, ausser in den verständlichen Situationen. “Einkaufen am Samstag” oder “Geschenke für Weihnachten in letzter Sekunde kaufen”.

    Es wird ein Pauschal Schuldiger gefunden, wobei die Leute die in diesen Aktionismus verfallen auch genau wissen, dass sich dennoch ncihts ändern wird, weil das Problem viel tiefer liegt.

    Ansonsten hätten wir auch ein massives Problem. Ich glaube allein Counterstrike wird in Deutschland täglich auf 100.000 und mehr PCs gespielt. Wenn alle Amok liefen… Prost Mahlzeit.


  6. Man sollte in der Tat mal untersuchen, wieviele Amokläufe diese Spiele bisher verhindert haben. Freund von mir, CTO eines großen deutschen ISP spielt sich jeden Abend seine 30 Minuten Unreal Tournament und sagt ganz klar, ohne dem, wäre er nicht halb so ausgeglichen…


  7. Da hatte ich gestern eine energische Diskussion zu. Ich glaub da blogge ich gleich zu. Danke für die Anregung!



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