Das kommt davon. Da hat man die ganze Zeit eine Idee für einen Blogbeitrag im Kopf, ist aber zu faul, sie aufzuschreiben. Und dann liest man das Ganze, wunderbar geschrieben und bestens auf den Punkt gebracht, woanders: “Ich habe den Eindruck, Frau-Sein ist out und ewig-Mädel-Sein ist in. Mädels sind wir heute bis mindestens 49, wenn nicht sogar länger. Frau-Sein hieße ja auch, sich auf das Altern einzulassen, und das wäre ja unerträglich.” Mehr.
Solche und ähnliche Gedanken gingen mir durch den Kopf, als ich letztens eine Ausgabe der von mir abonnierten Frauenzeitschrift las. Deren Namen ich nicht mehr nenne, weil ich dafür im Büro schon mal ausgelacht wurde. ;-)
Es ist wie gesagt eine Frauenzeitschrift und nicht die Bravo Girl. Und trotzdem muss ich dort regelmäßig im Frühjahr eine Seite darüber lesen, dass Orangenhaut keine ansteckende Krankheit ist, wir das Problem eigentlich alle haben und Männer es weder buchstabieren noch erkennen können, wenn eine Frau Cellulite hat. Wie schön, denke ich, endlich werden wir mal etwas entspannter, was die Falten am Arsch angeht. Bis ich umblättere und etwa vier Seiten lesen muss, auf denen neue Wundermittelchen und Therapien gegen Orangenhaut vorgestellt werden.
In einer anderen Ausgabe gab es dann “Mode, die schlank macht”. Vorgestellt von Models, die noch nicht mal annähernd übergewichtig waren und höchstens Größe 40 trugen.
In einer anderen Geschichte dann ein Bild von Liza Minelli, das dermaßen bearbeitet war, dass die gute Frau trotz ihrer 63 Jahre keinen Tag älter aussah als 30.
Und schließlich noch ein Artikel, in dem eine Frau darüber wehklagte, dass die bösen Männer sich erdreisten, Erziehungsbücher zu schreiben, obwohl es doch die Frauen seien, die die Kinder erziehen.
Mal ehrlich – so einen Mist will ich weder lesen noch sehen. Ich fände es sinnvoller, neue Krebstherapien vorzustellen anstatt Cellulite-Mittelchen zu präsentieren, bei denen der Spruch “das kann ich mir auch an den Hintern schmieren” nicht nur im übertragenen Sinne stimmt. Ich würde gern mal Models sehen, die einen Busen und einen Hintern haben – viele Frauen haben sowas nämlich und oftmals nicht zu knapp. Und Liza Minelli hat bestimmt ganz wunderbare Falten, die von ihrem Leben erzählen. Ich hätte nichts dagegen, die auch mal zu sehen zu bekommen. Frauen mit 60 haben nämlich oft Falten, und das ist gut so.
Am meisten würde es mich aber freuen, wenn diese klischeebeladenen Artikel verschwänden, in denen angeblich gestandene Frauen sich beschweren, dass Männer Erziehungsbücher schreiben. Damit wird emanzipationstechnisch nur mit dem Arsch wieder eingerissen, was vorher mit den Händen aufgebaut wurde. Dann sind Frauen nämlich wieder Mädels. Und denen kann man dann wieder auf der Nase rumtanzen.
Da kann man mal sehen, wie weit es schon gekommen ist mit mir. Jetzt schreibe ich schon Emanzipationsartikel. Meine Güte.