Da stimmt doch was nicht!

Geneigte Leser, ich habe da mal wieder was fremdgebloggt. Diesmal geht es die Frage, ob und wie man es als Frau schafft, mit sich im Reinen zu sein.

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Sich mal ordentlich einen zwitschern

Bevor es ein ganzes Jahr her ist, dass die liebe Claudia mir ein Stöckchen zuwarf, werde ich es vielleicht endlich mal beantworten.

Wer bist Du auf Twitter? Seit wann bist Du auf Twitter? Nutzt Du Twitter vorwiegend privat oder beruflich?

Ich bin seit Frühjahr 2013 als @KirstenKonradi bei Twitter – nachdem ich ein paar Jahre zuvor schon mal einen Versuch gewagt hatte und das alles total doof fand. Diesmal machte ich ernst und blieb dabei. Lustigerweise hatte ich mir diesen aktuellen Account zugelegt, weil ich ein paar Leuten folgen wollte, die ich zum Beispiel von ihrem Blog her kannte. Heute folge ich keinem von denen mehr, dafür aber vielen anderen tollen Leuten, die im Gegensatz zu anderen auch mal antworteten und tatsächlich an einem Austausch intereressiert waren. Ich war relativ schnell infiziert und kann mir nicht vorstellen, mal nicht mehr zu twittern. Ich nutze Twitter eigentlich nur privat, auch wenn sich hier und da mal Tweets einschleichen, die von meinem Arbeitsalltag inspiriert werden.

Zu welchen Themen veröffentlichst Du Deine Tweets?

Das ist mit einem Wortzu beantworten: alles. Alles, was mir so durch die Kopf schießt, muss da schnellstmöglich wieder raus. Und wenn grad kein Kollege/Freund in der Nähe ist, den ich damit vollnölen kann, twittere ich es (oder schreibe es auf Facebook oder beides). Meistens nöle ich aber erst Kollegen und Freunde damit voll und twittere es trotzdem. Themen sind mein Alltag und dann vor allem BVB-Fußball. Wenn ich mal was Besonderes mache (wie Segeln auf der Alster gestern – nein, ich bin noch nicht durch mit Angeben!), nutze ich Twitter zum Posen. Ich muss da vieles aus meiner Teenager-Zeit aufarbeiten, als ich langweilig war, keine Freunde hatte und niemand mir zuhören wollte. Heute gibt es Gott sei Dank das Internet.

Wie viel Zeit pro Woche nimmst Du Dir für Twitter?

Kann ich nicht sagen. Ich lese immer mal wieder rein, wenn ich Leerlauf habe und schreibe unregelmäßig – manchmal zwei Tweets am Tag, manchmal 20. Manchmal poste ich auch gar nichts selbst, sondern kommentiere nur bei anderen.

Auf welchen Social Media-Kanälen bist Du aktiv?

Auf Twitter und Facebook täglich, auf Xing sehr selten, hier im Blog wieder öfte als früher, was zumindest ich super finde. einige Leser vielleicht auch. ;-) Auf Google+ hab ich auch einen Account, nutze den aber so gut wie nie.

Welche Position nimmt Twitter für Deine Kommunikation in all Deinen Social Media-Kanälen ein?

Es war nach Facebook lange meine Nummer 2, inzwischen ist es aber an die erste Stelle vorgerückt. Auf Facebook kommuniziere ich “nur” mit Freunden, auf Twitter auch mit Leuten, die ich (noch) nicht kenne. Ich habe da eine größere Reichweite (ja, manchmal bin ich so eine Klickhure, dass ich das toll finde).

Organisierst Du Tweet-ups bzw. nimmst Du daran teil?

Ich muss bei der Arbeit genug organisieren, da will ich mich in der Freizeit nur irgendwohin setzen und trinken. ;-) Ich war bislang “nur” mal beim #tkhh – aber immerhin.

Wofür verwendest Du Twitter vorwiegend?

Ganz ehrlich? Vor allem für den Spaß.

Welche Gesamtnote von 1 – 6 würdest Du Twitter geben und wieso?

Wäre ich eine Lehrerin, gäbe es bei mir wohl nie Einsen (meine Mitarbeiter können da ein Lied von singen, hähähä), aber 2+ wäre schon drin. Wieso? Ach, das steht doch eigentlich da oben schon, oder?

Welche Tools nutzt Du mit welcher Hardware für Deine Aktivitäten auf Twitter?

Ist jetzt bestimmt voll uncool und seniorenmäßig, aber ich nutze auf dem PC oder Laptop twitter.com und auf dem Smartphone die Twitter-App. Diesen ganzen anderen neumodischen Kram, von dem Ihr immer alle redet, kenne ich nicht.

Die Nächsten, bitte! Ich tagge hier mal keinen, weil ich selber schon 30 Jahre gebraucht habe, um das Stöckchen zu beantworten, da hat sich jeder schon zu geschrieben, der das machen wollte.


Fünf Bücher

NaLos Mehrblick hat mich beworfen. Mit gleich fünf Büchern. Also eigentlich nur mit einem Stöckchen. In dem es aber um Bücher geht. Das ist mir gleichermaßen Vergnügen wie Ehre.

Die Aufgabenstellung lautet wie folgt: „Zähle 5 Bücher auf, die ganz oben auf deiner Wunschliste stehen, die aber KEINE Fortsetzungen von Büchern sind, die du schon gelesen hast – sie sollen also völlig neu für dich sein. Danach tagge 8 weitere Blogger und informiere diese darüber.”

Ich weiß nicht, ob ich das richtig mache, wenn ich Bücher nehme, die zwar keine Fortsetzung von irgendwas sind, aber teilweise von Autoren geschrieben wurde, die ich seit Jahren sehr schätze. Aber ich mach einfach mal:

Tina Fey: Bossypants

Ich weiß gar nicht so viel über das Buch, aber ich mag Tina Fey, Liz Lemon und den Typ Frau, den beide verkörpern, den “Femnerd”, wie ich gelernt hab. Der Spiegel schrieb, Bossypants sei “ganz selbstverständlich und ganz unverkrampft ein politisches und ein feministisches Buch” – das klingt nach was, das ich unbedingt lesen will und muss. Ich habe das Gefühl, wir brauchen mehr solcher Bücher und solcher Frauen sowieso. Und außerdem soll das Buch saulustig sein. Das ist nie verkehrt.

Siri Hustvedt: The Blazing World

Eine ganz wunderbare, kluge Autorin, von der ich bereits mehrere Bücher gelesen hab. Sie schreibt schlau, feministisch, geheimnisvoll und witzig. Ich glaube, Hustvedt ist eine der klügsten Schriftstellerinnen, die es gibt. Sie schreibt aus männlicher Perspektive, aus weiblicher – egal. The Blazing World ist ihr neuestes Werk, ich habe aber noch The Enchantment of Lily Dahl ungelesen vor dem Bett liegen.

Irgendwas/alles von Alice Munro

Weil ich auch am liebsten Kurzgeschichten schreibe, mir aber alle immer sagen, wenn ich noch keinen richtigen Roman geschrieben hätte, sei ich keine richtige Schriftstellerin. Dann verweise ich auf Alice Munro, die den Literatur-Nobelpreis bekam und sagte, die Kurzgeschichte sei das, was sie am liebsten und besten schreibe. Ich weiß nicht, wie Munro so lange an mir vorbeigehen konnte.

Mehr von Colum MacCann

Ich habe von diesem wunderbaren irischen Erzähler bereits Die große Welt gelesen, die ich in einer Grabbelkiste gefunden hatte. Ich muss gestehen, dass ich mich ein wenig vertan hatte, weil ich Carson McCullers im Kopf hatte. Die hatte mir mal jemand empfohlen, und ich will sie auch schon lange lesen. So was passiert mir normalerweise nicht, dass ich die Namen von Schriftstellern durcheinanderbringe. Aber es sollte in diesem Fall wohl so sein, denn Die große Welt ist so ein wunderschönes Buch, dass ich zwischendurch flennen musste. Im Grunde ist es eine Sammlung von Geschichten, die alle miteinander verwoben sind und so den gesamten Roman bilden. Die Komposition ist so klug ausgedacht und mit so wunderschönen, sorgsam gewählten Worten erzählt, dass ich mehr von diesem Autor lesen muss. Dann vielleicht auch im englischen Original.

Paul Auster und J.M. Coetzee: Here and now

Es war klar, dass ich, wenn es ums Lesen geht, nicht ohne eine Erwähnung Paul Austers auskomme. Ich habe es versucht, aber es geht nicht anders. Ich liebe seine Bücher seit der Uni, seine Art, Geschichten zu konstruieren, seine Sprache und die traumartigen Elemente, die einem am Ende gelegentlich ratlos darüber zurücklassen, was man gerade gelesen hat – eine Detektivgeschichte, ein Märchen, eine fantastische Erzählung? Ich würde ihn gerne noch mal bei einer Lesung treffen, um mir erneut was signieren zu lassen. Bei dem Buch, das ich gerne lesen würde, handelt es sich um einen Briefwechsel zwischen Auster und Coetzee – von Letzterem habe ich bisher noch nichts gelesen. Ich verspreche mir Eindrücke vom Privatmann Auster, was aber eigentlich Unsinn ist. Ein Schriftsteller bleibt ein Schriftsteller, auch wenn er einem Freund Briefe schreibt. Vielleicht sollte ich sagen, ich freue mich auf den privaten Erzähler. Aber so oder so, ich freue mich sehr auf das Buch. Praktischerweise liegt es schon vor meinem Bett.

Und jetzt soll ich auch noch acht weitere Blogger taggen. Dann nehme ich mal Mademoiselle Scholli, Frau Neverevertown, Sybbel vom Dreimädelhaus, Madame Books und ähm … tja, da hört es auf. Vielleicht noch Frau Torszenen, wobei die ja meist Filme im Programm hat. Es kann sich aber auch jeder bedienen, der möchte.


Warum das Internet nicht böse ist

Das Internet ist unpersönlich, böse und voller Idioten.

Das glaubt Ihr mal alle schön weiter, die Ihr nicht täglich im Netz zu tun habt. Ich dagegen habe übers Internet so unglaublich viele tolle Menschen kennengelernt, dass ich gar nicht weiß, wo ich anfangen soll, die alle zu beschreiben. Einige dieser Menschen kenne ich inzwischen persönlich, andere (noch) nicht, mit vielen kann ich nur übers Internet Kontakt halten, weil sie nicht mehr in meiner Nähe wohnen.

Ohne das böse, böse Internet und diesen großartigen und arschcoolen Text hätte ich zum Beispiel Mademoiselle Scholli nie kennengelernt. Und dann wären so viele Dinge anders gekommen und die Welt wäre ein schlechterer Ort, weil jemand anders und nicht wir dann in wenigen Jahren die Weltherrschaft innehätten. Das würden wir natürlich nicht wissen, wenn es anders gekommen wäre, aber es ist trotzdem keine schöne Vorstellung.

Ohne das böse Internet hätte ich auch nie die Damen Torszenen oder Neverevertown kennengelernt, ich hätte nie von NaLos Mehrblick von der zauberhaften Anastasia von AnderStark gehört, die ich hoffentlich bald auf mindestens einen Kaffee treffen werde und für die ich hoffentlich noch ganz viele Gastbeiträge schreiben darf.

Neulich abends ging es mir nicht so gut, die Gründe sind doof und egal, aber es war eben so. Ich hatte was erfahren, was an meinem Selbstbewusstsein gekratzt hatte, obwohl es das nicht hätte tun müssen. Rational gesehen wusste ich das, aber das Herzchen hatte trotzdem ein wenig gemuckt. Befeuert von zwei Bierchen, twitterte ich daraufhin: “Kann mir mal grad einer sagen, dass ich toll bin? Ist relativ dringend.”

Ich weiß: billiges Betteln um Zuneigungsbekundungen. Ich hätte auch wen anrufen können, aber da ich weder erklären wollte, was los war noch es überhaupt so richtig hätte in Worte fassen können, hab ich es eben getwittert. Nur so halt, weil es raus musste. Und innerhalb von wenigen Minuten hatte ich (auf total coole und männliche Art natürlich) Tränen der Rührung in den Augen, weil mir Menschen, die ich teilweise nicht einmal persönlich kenne, schrieben, ich sei “megasupitotaltoll”, “kurz vor dem Status einer Tollität”, “toll! #Servicetweetvomherzenkommend”, “Du bist super toll! Lass Dir nix anderes einreden”, “super”, “Du bist übertoll. Und du solltest das nie, nie, nie auch nur im geringsten anzweifeln”. Das tat gut, und es war genau für den Moment das Richtige. Das böse, unpersönliche Internet und zweiunddrölfzig Bierchen ließen mir innerhalb weniger Minuten wieder die Sonne aus dem Arsch scheinen. Das kann ja so verkehrt nicht sein, oder?

Und wer hatte früher nicht Brieffreunde, mit denen er oder sie jahrelang schrieb, ohne sie auch nur einmal zu treffen? War das so viel anders? Und wenn man heute jemanden kennenlernt, ist es so viel einfacher, über Communitys, Mail, Blogs etc. in Kontakt zu bleiben als über Briefe. Die beste Zeltmitbewohnerin der Welt, die ich in Kanada kennenlernte, lebt in Australien. Wenn es nur über Briefe ginge, wären wir sicher nicht mehr in Kontakt.

Oder auch ganz profan: Neulich suchte ich aus beruflichen Gründen die chinesische Übersetzung von “kleiner Hase”, und dank Twitter hatte ich sie innerhalb von wenigen Minuten. Es brauchte zwei Retweets und eine Nachfrage, schon hatte ich die Antwort. Und ohne Internet könnte ich nicht ehrenamtlich für die Fanabteilung des BVB Texte korrigieren und schreiben. Das wäre blöd. Finde ich.

Edit: Ohne Internet hätte ich auch niemals meine zwischenzeitliche Mitbewohnerin kennengelernt. (Wobei ich natürlich ihre Mitbewohnerin war.) Ich hätte somit ohne Netz sehr viele spaßige Abende auf dem Kiez verpasst und viel öfter nüchtern zur Arbeit gehen müssen als nötig. Aber vor allem hätte ich zu Beginn meiner Zeit in Hamburg kein Dach über dem Kopf gehabt. Und jetzt kommt ihr!

Natürlich ist das Internet voller Trolle, Stalker und Idioten. So wie das echte Leben halt auch. Die Kunst hier wie da ist, diese Spacken zu vermeiden, auch wenn sie im Internet aufgrund der Anonymität meistens noch dreister sind als in echt. Man muss halt sehen, die Idioten zu umkurven, genauso wie man im echten Leben versuchen sollte, nicht in jeden Hundehaufen zu latschen. Und selbst wenn man mal voll in die Scheiße rauscht – die vielen schönen Blümchen am Wegesrand reißen es wieder raus.


Solche und solche

Geneigte Leser, ich habe da mal wieder was fremdgebloggt. Diesmal geht es um coole Eltern und nicht so coole Eltern.

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Gefühle aus zweiter Hand

Ich weiß, keine Trolle füttern, aber dieser Kommentar ist nicht nur eloquent und freundlich, er ist meines Erachtens auch eine direkte Aufforderung an mich, sich noch mal einen abholen zu dürfen.

Es soll hier gar nicht darum gehen, wie traurig das Leben solcher Menschen sein muss, dass sie sich bemüßigt fühlen, einem Frechheiten ins Blog zu schreiben, die sie einem niemals ins Gesicht sagen würden, weil sie zu feige dafür sind. Gottes Tiergarten ist groß, auch solche muss es geben und ich habe großes Mitgefühl mit so armen, kleinen Würstchen.

Nein, der Kommentar wirft so viele Fragen auf, dass ich einfach nicht davon loskomme.

“Was geht in Ihrem Leben schief, dass Sie intensive Gefühle nur Second Hand über das Hilfsmittel Fußballverein ausleben können?”, heißt es da.

Ich bin ja immer bereit, in mich zu gehen und an meiner verkorksten Persönlichkeit zu arbeiten, aber hier lässt mich die gute Frau leider ein bisschen im Regen stehen. Ich armes kleines Naivchen hatte ja bisher nicht mal ansatzweise geahnt, dass meine Gefühle nur aus zweiter Hand stammen könnten. Was mache ich denn da jetzt nur? Fußball gucken auf keinen Fall, das ist ja nur ein billiges Hilfsmittel, vorgeführt von Leuten, denen ich total egal bin.

Ich zermartere mir schon seit Tagen das Hirn, wie ich wohl endlich Gefühle aus erster Hand empfinden kann. Eine Freundin von mir erzählte mir neulich von einer Reise, die sie bald machen wird, und ich habe mich sehr für diese Freundin gefreut. Aber darf ich das überhaupt? Mich für jemand anders freuen? Nein, bestimmt nicht. Da geht es ja nicht um mich, ich nehme ja nur die Freundin als Hilfsmittel, das soll ich ja nicht mehr.

Damit fallen leider auch noch ganz viele andere Sachen weg, bei denen ich bisher Freude oder Ärger oder was auch immer empfunden hab. Als meine Mutter Deutsche Meisterin im Diskuswerfen wurde, hab ich mich auch so gefreut. Oder als Björn Otto in London eine Medaille geholt hat. Als meine Firefly-DVD endlich ankam, war ich ganz außer mir vor Freude. Als mein Cousin sein kleines rothaariges Mädchen geheiratet hat, hab ich sogar vor Freude geweint (nur ganz kurz und auf coole Art natürlich). Als mir neulich eine Kollegin pampig und respektlos antwortete, war ich ziemlich ärgerlich. Angesichts des Fährenunglücks in Korea war ich geschockt und traurig. Wenn ich schöne Musik höre, macht sich oft ein Wohlgefühl in mir breit. Wenn ich ein schönes Buch lese, bin ich manchmal sogar richtig glücklich. Wenn ich mit guten Freunden (und ja, ich hab tatsächlich welche, was man ja angesichts meiner verkrüppelten Persönlichkeit gar nicht meinen sollte) unterwegs bin und dann noch Alkohol im Spiel ist, bin ich oft total lustig. Wenn mir komische Leute dämliche Kommentare ins Blog schreiben, rege ich mich gelegentlich und etwa fünf Sekunden lang auf. Wenn ich einen Text schreibe und mir eine schöne Formulierung einfällt, freue ich mich und lächel sogar manchmal vor Zufriedenheit. Und als mich Borussia Dortmund das erste  Mal retweetet hat, hab ich sogar den ganzen Tag gegrinst. (Davon, was ich gemacht hab, als die Benachrichtigung kam, dass mir der BVB nun auf Twitter folgt, wollen wir mal gar nicht reden.)

Aber was davon ist denn nun echt? Gar nichts?! Mir scheint, ich bin total abhängig von Hilfsmitteln, um mich als Mensch fühlen zu können. Musik, Alkohol (pfui Teufel!), Schreiben, Freunde, immer wieder dieser böse Sport und der BVB, dem ich egal bin, das ist doch schlimm. Wie empfinde ich denn nun Gefühle aus erster Hand? So hilf mir doch endlich jemand!*

*Aber kommt mir jetzt nicht mit Kinderkriegen oder so. Der Zug ist abgefahren, danke.


Auf nichts kann man sich verlassen

Verlässlichkeit ist ja so was Schönes. Das weiß man, was man hat und woran man ist. Blöderweise kann man sich auf den BVB so gar nicht verlassen. Dabei ist das im Fußball doch so einfach: Da gibt es Vereine, die die ganze Saison dominieren und kurz nach der Winterpause Meister sind. Andere stehen vom ersten bis zum letzten Spieltag auf einem Abstiegsplatz, das ist unschön, aber auch da weiß man als Fan, woran man ist. Oder der Profifußballer an sich: unnahbar, abgehoben. Lebt in seiner eigenen luxuriösen Welt und würde einen Teufel tun, sich mit dem Pöbel gemein zu machen. Ein Spiel vom Stehplatz aus gucken? Nicht doch.

Es könnte also alles ganz einfach sein. Aber doch nicht beim BVB. Wie oft haben wir Fans in den vergangenen Wochen Stoßgebete gen Himmel geschickt, weil wir uns wünschten, dass die Mannschaft einmal, nur einmal wie andere auch ganz normal spielt und mit einem beruhigenden 6:0 zur Halbzeit in die Kabine geht? Prompt fegen die Jungs Real und Bayern weg und finden zur alten Leichtigkeit zurück. Da wünschte man sich schon fast, dass diese quälend lange Seuchensaison schnell vorbeigehen möge, da stehen wir im Pokalfinale und freuen uns wie Bolle über noch ein Spiel mehr im Mai. Und das mit den unnahbaren Profis kriegen wir auch nicht hin. Da steht nämlich plötzlich Neven Subotic auf der Süd und guckt da das Spiel, als sei das das Normalste der Welt. Langweilig überlassen wir den anderen. Ist das nicht schön, dass man sich so gar nicht auf den BVB verlassen kann?

Kirsten Konradi

Über die BVB | Fan- und Förderabteilung veröffentlichen BVB-Fans einmal in der Woche eine Fan-Kolumne in den Ruhr Nachrichten. Die dort veröffentlichten Meinungen / Kommentare spiegeln weder zwingend noch bindend die Meinung der BVB | Fan- und Förderabteilung wider.

Dieser Text ist wahrscheinlich am 23. April 2014 als Kolumne in den Ruhrnachnachrichten erschienen. Ganz genau weiß ich das leider nicht, weil ich bekanntermaßen nicht im Einzugsgebiet der Ruhrnachrichten wohne. ;-)


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